3. Expertentalk

Ihre zwei größten Erfolge, die Olympiasiege 1992 und 2000, sind fürs Publikum im wahrsten Sinne des Wortes zum Greifen nah. Die beiden Goldmedaillen lässt Heike Drechsler kurzerhand durch die Zuschauerreihen laufen. Der gedankliche Sprung zu den goldenen Motivationsregeln liegt für die Referentin da schon auf der Hand.

Ihren Vortrag unterbricht die Olympiasiegerin sowie mehrfache Welt- und Europameisterin nur durch kurze Ausflüge in die Theorie von Motivation und Zielsetzungen. Das Salz in der Suppe sind jedoch die Geschichten aus ihrer Karriere. So hat die sympathische Sportlerin die Lacher auf ihrer Seite, als sie über die Rückreise der DDR-Mannschaft von Olympia 1988 aus Seoul berichtet. „Nach dem Rückflug durften die Goldmedaillengewinner vorne aus dem Flugzeug aussteigen, alle anderen hinten.“ Die heutige Botschafterin der Barmer GEK erzählt über ihre Anfänge im Sport: „Als Kind war ich hyperaktiv – meine Mutter war daher froh, dass sie mich im Sport unterbringen konnte.“

In der anschließenden Talkrunde will Moderator Rolf Hettich von der Rekordhalterin wissen, warum die Leichtathletik-Rekorde aus den 80er- und 90er-Jahren heute oftmals unerreichbar sind. „Der Leichtathletik fehlt heute die Breite“, erklärt Drechsler. „Damals hat der Staat den Sport intensiver gefördert.“ Die 17-fache Medaillengewinnerin hat zudem strukturelle Probleme ausgemacht: „Wir haben heute zu wenig Trainer und wir brauchen für die Leichtathletik Aufmerksamkeit und Spektakel.“ Was Hettich der Exweltklassesportlerin ebenfalls entlockt: Ausdauereinheiten im Training waren ihr ein Graus. Selbst schmunzeln muss Drechsler, als sie über ihre Familienplanung zu DDR-Zeiten berichtet: „Da musste ich einen Antrag stellen.“ Augenzwinkernd fügt sie hinzu „Die hätten eh nichts machen können.“

Ihrem Sport ist Heike Drechsler noch heute verbunden. Vergangenes Jahr hat sie in Jena einen Förderverein für Leichtathletik gegründet und ist dessen erste Vorsitzende. Ein Trainerjob sei nichts für sie: „Ich bin zu viel unterwegs.“ Nächstes Jahr will die gelernte Feinmechanik-Optikerin und Erzieherin das Deutsche Sportabzeichen ablegen.

Geduldig erfüllt die Thüringerin, die mittlerweile in Aachen und Karlsruhe lebt, nach der Veranstaltung alle Autogrammwünsche. Währenddessen probiert sich fast unbemerkt eine Zuschauerin an der aufgeklebten Rekordmarke. Für die 7,48 Meter benötigt sie sechs Sprünge.