Nach dem Spiel in Freiburg

Im feinen Zwirn ins Getümmel

Backnangs OB Frank Nopper feiert in Freiburg mit der TSG den verdienten Oberligaaufstieg

Aus der Backnanger Kreiszeitung vom 19.06.17

Sichtlich angefasst und trotzdem überglücklich nach dem zweiten Aufstieg mit der TSG in vier Jahren: Trainer Markus Lang (links), der mit dem Erfolg in Freiburg einen Traumausstand hatte.

(uwe). Wenn sich der Backnanger Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper im feinen Zwirn furchtlos in die Jubeltraube mit Sekt und Bier spritzenden Kickern begibt, dann hat der Sport in der Murr-Metropole etwas Außergewöhnliches zu feiern. So wie gestern in Freiburg. Die TSG-Fußballer haben den Aufstieg in die Oberliga geschafft. Der Traditionsklub aus den Etzwiesen spielt so hoch wie seit fast 50 Jahren nicht mehr. Backnangs sprachgewandter OB wusste den Relegationserfolg richtig einzuordnen: „Der 18. Juni ist seit Jahrzehnten ein Tag der Freude und des Glücks des Backnanger Fußballs“, erinnerte Nopper an den 18. Juni 1967 und den Aufstieg der Roten damals in die Regionalliga, um dann nachzulegen: „Das war heute genau so.“ Nopper, als Jugendlicher in Stuttgart ebenfalls Fußballer, lobte aber auch die Leistung: „Das war ein Erfolg des unbeugsamen Willens.“ Damit spielte er auf die klasse Moral der Backnanger nach dem 0:1-Rückstand an und sprach von einem „frischen und begeisternden Fußball“ sowie von einem „Erfolgstrainer Markus Lang, der leider, leider geht“.

Der Hochgelobte selbst war überglücklich und sichtlich angefasst. „Unfassbar, Wahnsinn“, war das, was Markus Lang zunächst von sich gab. Gute 15 Minuten später war der 41-Jährige, der sich nach vier Jahren mit zwei Aufstiegen aus den Etzwiesen verabschiedet, zwar immer noch glücklich, doch nun auch in der Lage, das Geleistete kühl zu analysieren: „Ich habe schon nach dem 2:3 im Hinspiel gesagt: Abgerechnet wird nächsten Sonntag.“ Immer wieder unterbrochen von begeisternden „Markus-Lang-, Markus-Lang-Rufen“ seiner Spieler, lobte er seine Mannschaft: „Ein grandioses Spiel. Das Team hat immer an sich geglaubt.“

Vielleicht auch, weil die Backnanger schon einen Tag zuvor nach Südbaden gereist waren und im Übernachtungsort in Emmendingen „nochmal den Mannschaftsgeist gepflegt haben“, wie Lang erzählte und feststellte: „Nur wenn der Teamgeist stimmt, dann kann auch der Einzelne glänzen.“

FC-Trainer Ralf Eckert machte dann auch deshalb gar nicht lange herum: „Der Sieg Backnangs und der Aufstieg ist ohne Wenn und Aber verdient.“

Im Sportpark Dietenbach gab es gestern niemand, der das anders sah. Auch das aus dem nordbadischen Kirrlach angereiste ehemalige TSG-Vorstandsmitglied Pit Kloos anerkannte: „Das 4:1 war vollkommen verdient.“ Dass sich die TSG mit dem Aufstieg eventuell verhoben hat, glaubt Kloos nicht: „Backnang muss Oberliga spielen. Von der Anlage und dem Verein her. Zudem gibt es hier einen OB, der hinter dem Klub steht.“

Die Arbeit von Teammanager Marc Erdmann und Spielleiter Andreas Nickel kann das Stadtoberhaupt allerdings nicht erledigen. Die beiden müssen nun den Kader nachjustieren, damit der neue Trainer Beniamino Molinari und sein künftiges Team in der höchsten Spielklasse im Ländle eine ordentliche Rolle spielen können. Gestern wollten beide davon aber zunächst einmal wenig wissen. Gestern ging es ums Feiern und ums Jubeln. „Marc Erdmann: „Überragend, was Mannschaft und Trainer geleistet haben. Julian Geldner war der beste Mann auf dem Platz.“ Sein alter Freund und Mitstreiter Andreas Nickel strich vor allen Dingen eines heraus: „Keiner hat mit dem Aufstieg gerechnet. Und trotzdem hat es das Team noch geschafft.“

TSG-Vorstandssprecher Georg Hopp bekannte: „Der Aufstieg in dieser Saison war so nicht geplant.“ Angenommen wird er in den Etzwiesen trotzdem. Hopp glaubt, dass die bisherigen Kaderplanungen auch für die neue Liga taugen: „Unsere personellen Planungen sind eigentlich abgeschlossen. Vielleicht kommt aber der eine oder andere Spieler dazu.“

Die bisherigen sind jetzt zunächst einmal für einige Tage weg: Mario Marinic und der Großteil des Teams heben heute um 6 Uhr mit dem Flieger zum Mannschaftsausflug nach Mallorca ab. Am Freitag geht es wieder zurück ans Murrufer und direkt aufs Straßenfest. Dort wartet ein Altbekannter: OB Nopper, der die Aufstiegshelden bei der Eröffnung begrüßt. Im feinen Zwirn natürlich.